28-30. August 2026 Steiningen, Vulkaneifel

Wir müssen reden

Der Erklärbär-Text zum Spiel

Worte sind mächtig. Manche bauen Brücken, andere Mauern. Dieses Spiel ist weder Sprach-TÜV noch Political-Correctness-Polizei. Es geht um etwas anderes: Manche Themen sind zu wichtig, um sie Missverständnissen zu überlassen.

Wenn jemand „Grenzen dicht!“ ruft: meint die Person Datenschutz oder Abschiebungen?
Wenn jemand sagt „Heimat bewahren“ geht’s ums Dorffest oder um Ausgrenzung?
👉 Kontext ist King.

Warum das Ganze?

Weil menschenverachtende Aussagen nicht unwidersprochen stehen bleiben dürfen. Nicht in der Schule, nicht auf der Straße, nicht im Netz. Aber auch, weil wir besser miteinander über echte Probleme reden können, wenn wir verstehen, wie Sprache funktioniert und wo sie manipuliert.

Das Ziel: Nicht mundtot machen. Sondern: präziser, fairer, klarer kommunizieren. So einfach.

„Das wird man ja wohl noch sagen dürfen“ 🤪

Alarmsignal: Kommt meist direkt vor etwas Diskriminierendem. Spoiler: Man darf vieles sagen, aber nicht alles ist okay. Wer diesen Satz vorschiebt, weiß meist genau, dass das Folgende problematisch ist.

 

„Früher war alles besser“ ⏰

Nostalgiezauber: Klar, früher gab’s keine Mathe-WhatsApp-Gruppen. Aber auch keine Antibiotika, keine Frauenrechte und Klopapier war Sandpapier. Diese Aussage vergoldet die Vergangenheit und macht die Gegenwart schlecht – oft gezielt.

„Die da oben“ 👀

Der Schwammig-Champion: Wer sind „die“? Alle Politiker? Die Illuminaten? Dein Mathelehrer im dritten Stock? Echte Machtkritik benennt konkret. Vage „Die“-Formulierungen öffnen Verschwörungstheorien die Tür.

„Wir schaffen das nicht“ 😱

Panik-Modus: Kann berechtigt sein (z.B. „Wir schaffen die Klausur nicht ohne Lernen“). Wird aber oft benutzt, um gegen Geflüchtete oder soziale Hilfe zu hetzen. Defaitismus als politische Strategie.

„Heimat bewahren“

Kontextkönig: Kann harmlos und richtig sein (Dorffest retten). Wird aber auch als Code für „keine Ausländer hier“ benutzt. Frage: Wer darf zur Heimat dazugehören? Nur „Ur-Einwohner“ oder alle, die hier leben?

„Unsere Kultur schützen“ ️ 🤨

Kultur-Bodyguard: Kultur lebt von Austausch. Pizza ist italienisch, Döner türkisch-deutsch, Kartoffeln kommen aus Südamerika. Wer Kultur „schützen“ will wie ein Museumsstück, meint oft: „Fremde raushalten.“

„Grenzen dicht“ 🛑

Tür-zu-Reflex: Vereinfacht komplexe Migration auf einen einfachen Slogan. Ignoriert Fluchtursachen, internationale Verpflichtungen und Menschenrechte. Echte Lösungen sind komplizierter und vor allem menschlicher.

„Tradition erhalten“ ⏲️

Traditions-Falle: Welche Tradition? Sonntagsbraten? Cool. Frauen dürfen nicht wählen? War auch Tradition. Nicht jede Tradition ist erhaltenswert. Kritisches Hinterfragen erlaubt!

„Nationale Identität“ 🇩🇪 

Identitätskrise: Was macht dich „deutsch“? Currywurst essen? Pünktlich sein? Meckern über die Bahn? Identität ist komplex. Wer sie auf Nation reduziert, grenzt oft aus: „Echte Deutsche“ vs. „die Anderen“.

„Wir zuerst“ 🥇 

Egoismus-Parole: Kann bei Sauerstoffmasken im Flugzeug Sinn machen. Als politisches Prinzip führt es zu: „Uns geht’s gut, die anderen können verhungern.“ Solidarität funktioniert anders.

„Natürliche Ordnung“ 🌳

Natur-Mythos: Wer entscheidet, was „natürlich“ ist? Natur kennt kein Patriarchat, keine Rassenhierarchien, keine Nationalgrenzen. „Natürliche Ordnung“ wird oft benutzt, um Diskriminierung zu rechtfertigen.

„Echte Probleme ansprechen“ ☁️ 

Problem-Hierarchie: Meist gemeint: „Migration ist DAS Problem, Klimawandel/Armut/etc. sind unwichtig.“ Demokratie bedeutet: mehrere Probleme gleichzeitig ernst nehmen. Nicht eins gegen das andere ausspielen.

„Wir sind besorgte Bürger“ 🥷

Sorgen-Tarnkappe: Klingt erstmal berechtigt. Problem: Wurde von Rechtsextremen gekapert. Echte Sorgen können demokratisch geäußert werden – ohne Fremdenfeindlichkeit zu verpacken.

„Man muss auch mal Klartext reden“ 🪆

Ehrlichkeits-Fake: Oft Code für „Jetzt kommt was Diskriminierendes, aber ich nenne es „ehrlich“. Echte Klarheit braucht keine Ansage. Wer ankündigt, Klartext zu reden, versteckt meist Vorurteile als „Mut zur Wahrheit“.

„Politisch korrekt sein nervt“ 😐

Respekt-Allergie: Übersetzung: „Ich will diskriminierende Witze machen, ohne Konsequenzen.“ Respektvolle Sprache ist kein Zwang, sondern Anstand. Niemand nervt mehr als die, die sich darüber beschweren.

„Nicht alle, aber viele“ 📊

Statistik-Mogeln: Klingt differenziert, ist aber Vorurteil in Tarnfarbe. „Nicht alle Jugendlichen, aber viele sind kriminell“ – merkst du’s? Es verallgemeinert, tut aber so, als wäre es fair.

„Ich bin ja kein Rassist, aber…“ ️ 💯

Universal-Warnsignal: Was nach diesem „aber“ kommt, ist meist doch rassistisch. Wie „Kein Hass, aber…“ – wenn Du es voranstellen musst, ist es wahrscheinlich genau das.

„Die Anderen“ 👤 

Alien-Effekt: Schafft künstliche Trennungen. „Die“ sind nicht wie „wir“. Problem: Wir sind alle „die Anderen“ für irgendjemanden. Diese Sprache baut Mauern im Kopf.

„Gesunder Menschenverstand“ 🧠

Fake-Weisheit: Klingt nach Logik. Ist aber oft: „Meine Meinung = gesund, deine = krank.“ Komplexe Themen brauchen Fakten, nicht „Bauchgefühl“. Früher war „gesunder Menschenverstand“, dass die Erde flach ist.

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Auf den Seiten der Bundeszentrale für politische Bildung gibt es viel Material und Spannendes zu dem Thema.